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Alpen unter Druck



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Warum sollte der Alpenverein Umweltschutz in den Alpen betreiben?

Wir sind als Alpenverein nicht nur der größte Bergsportverein und nutzen die Alpen intensiv für unser Bergsporterlebnis, sondern auch ein anerkannter Naturschutzverband. Und das begann schon ziemlich früh.

Der Alpenverein hat im 19. Jahrhundert die Alpen durch Hütten- und Wegebau erschlossen und schon am Anfang des 20. Jahrhunderts wollte man sich auch den Erlebnis- und Erholungswert dieser Landschaft zu erhalten. Es gab schon Diskussionen um den Bau von Bergbahnen. 1923 hat der Alpenverein beschlossen, keine neuen Hütten und Wege zu bauen. 1927 wurde die Satzung erweitert um den Punkt "Erhaltung der Ursprünglichkeit und Schönheit des Hochgebirges". Seit 1984 ist der Alpenverein als Naturschutzverband in Bayern anerkannt und 2005 auch auf Bundesebene und hat einen Schwerpunkt bei der Umweltbildung von Erwachsenen und Kindern. Unsere 1.451.000 Mitglieder können starke Mitstreiter für den Naturschutz in den Bergen sein.



Was machen wir regional im Kölner Alpenverein?

Wir als ehrenamtliche Naturschutzreferenten und der Naturerlebnisgruppe kümmern wir uns darum, dass in allen Bereichen des Alpenvereins der Naturschutz eine Rolle spielt. Das fängt an bei umweltverträglichen Techniken in den Hütten, geht weiter über die umweltverträgliche Anreise zu unseren Veranstaltungen bis zu CO2-Einsparungen in allem Bereichen unserer Sektion.



Ein paar Fakten zu Natur und Kulturlandschaft der Alpen

  • Der Alpenraum ist eine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft. Die Fläche des Alpenbogens beträgt 191.000 Quadratkilometer, das ist die Hälfte der Fläche von Deutschland. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Geländeformen und sehr unterschiedlicher Höhe: Es gibt Kalkhochebenen, Granitspitzen, Moränen, Geröllhalden, Moore, Wälder, Krummholzzonen, Wiesen, Bäche und Seen - das sind nur einige.
  • Der Alpenraum wird von etwa 30.000 Tierarten, 13.000 Pflanzenarten und 5.000 Blütenpflanzen bewohnt, davon sind eine Reihe endemisch, das heißt, es gibt sie nur dort. Die Lebensformen sind stark spezialisiert und müssen in lebensfeindlichen Umgebungen zurechtkommen. Sie haben deshalb besondere Anpassungsstrategien an den alpinen Lebensraum. Viele Arten hatten schon immer ihren Lebensraum in den Alpen, die anderen sind erst mit der Bewirtschaftung durch den Menschen dazugekommen. Die enge Verzahnung von Kultur- und Naturraum haben zu der großen biologischen Vielfalt beigetragen. Die intensivere Nutzung des Menschen führt aber aktuell zu einer Abnahme der biologischen Vielfalt. Der Alpenbogen hat eine Länge von 1.200 Kilometer, hat 14 Millionen Einwohner und 8 Staaten sind an ihm beteiligt (Frankreich, Monaco, Italien, Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland Slowenien). Die Klimakrise bedroht die Gletscher und kälteliebende Arten werden vom Aussterben bedroht.
  • Der Alpenraum wurde früh von Süden aus besiedelt, Ötzi beispielsweise lebte vor etwa 5.200 Jahren, anfänglich lebten die Menschen als Jägern und Sammler, später von Ackerbau und Viehzucht.
  • Die Artenvielfalt ist groß: Extensives Grünland hat 50 bis 60 Arten, gedüngtes Grünland höchstens 10 Arten. Der Bergwald schützt vor Lawinen, Hochwasser, Muren, Erosion und ist Naturschutz.


Wie sieht der Strommix in Deutschland 2021 aus?

Kernenergie: 13,3%
Braunkohle: 20,2%
Steinkohle: 9,5%
Erdgas: 10,5%
Erneuerbare Energien: 45,7%
(Wind 23%, Biomasse 8,8%, Photovoltaik 9,9%, Wasser 4%)
Quelle: strom-report.de



Wie ist die Ausgangssituation beim Thema Wasserkraft und Nutzung der Alpen als Wasserspeicher?

Die Alpen sind ein europaweit bedeutendes Wasserreservoir. Sie sind ein wichtiger Wasser- und Energiespeicher Europas!

Die "vier großen Ströme" Donau, Rhein, Po und Rhône haben ihre Quellen oder Zuströme in den Alpen. Wasser ist in den Alpen noch im Überfluss vorhanden. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge ist dort oft doppelt so hoch wie im umgebenden Flachland.

Trinkwasserversorgung: Wichtige Quelle auch für die großen Metropolen südlich und nördlich der Alpen: Der Bodensee allein sichert die Wasserversorgung von rund 5 Millionen Einwohner im Großraum Stuttgart. Landwirtschaft: Die Bewässerung durch Alpenwasser ist vor allem in den südlichen Regionen von großer Bedeutung.

Besondere Bedeutung hierbei die Gletscher mit Ihren Zuströmen: Wichtiger Wasserspeicher, der im Winter Wasser speichert und diesen im Sommerhalbjahr wieder abgibt. An der Mündung des Rheins kommt im Sommer noch 7 Prozent des Wassers von Gletscherschmelze, bei der Rhône sind es sogar 25 Prozent.

Nur noch 10 bis 11 Prozent der Alpenflüsse sind nach WWF (World Wildlife Fund) Österreich 2014 und CIPRA (Internationale Alpenschutzkommission, Commission Internationale pour la Protection des Alpes) 1992 noch in intakt und nicht durch Stromregulierungen, Begradigungen, Wasserverschmutzungen oder Wasserkraftwerke beeinträchtigt.

Wasserkraft ist emissionsfrei und hat keine negativen Auswirkungen auf das Klima. In Bayern gibt es rund 4.000 Anlagen mit geringen Steigerungen in den letzten Jahren. Im gesamten Alpenraum sind es über 10.000 Wasserkraftanlagen! Anders jedoch bereits in Österreich: Dort sind 88 Wasserkraftwerke im Bau und mehr als 200 weitere geplant. 17 Prozent dieser Anlagen befinden sich in gewässerrelevanten Schutzgebieten (Erhebungen des Österreichischen Umweltdachverbandes [2015]).

Die Nutzung von Wasserkraft bringt jedoch auch starke hydrologische Veränderungen und große Eingriffe in die Gewässersysteme.



Was fordert die CIPRA?

Sie beruft sich auf die Artikel 6 (Erneuerbare Energien) und Artikel 7 (Wasserkraft): Die Energiezukunft der Alpen kann nur nachhaltig sein, wenn sowohl der Energiekonsum als auch die Energiebereitstellung in einer ökologisch und sozial verträglichen Weise erfolgen.

  • Naturnahe Gewässer nicht mehr verbauen oder ableiten
  • Gesetze und Finanzinstrumente einführen, die die ökologische Funktionsfähigkeit bei Wasserkraftnutzung sicherstellen (Mindestabflussmengen, saisonale Abflussdynamik etc.)
  • Gerechte Entschädigungen für die Ressourcennutzung
  • Ökostromlabel einführen


Wie beeinflusst der Tourismus die Natur in den Alpen?

Die touristische Eroberung der Alpen begann mit den erfolgreichen Erstbesteigungen einiger Alpengipfel bereits im 14. Jahrhundert. Im ausgehenden 18. Jahrhundert erreichte der Alpinismus seine erste Blütezeit durch die literarisch-wissenschaftliche Beschreibung der Besteigung des Mont Blanc. 1760 bis 1880 begannen geführte Wanderungen durch die Alpen, von 1880 bis 1914 wurden zahlreiche Hotels gebaut, ab 1914 mehr private Ferienhäuser. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden Bergbahnen gebaut, verstärkt nach dem 2. Weltkrieg.

Seit Mitte der 70er Jahre ist Alpinski ein Sport der breiten Massen. Diese ziehen den Bau von Hotels, Restaurants, Lifte, Pisten, Straßen, Schneekanonen und Speicherseen nach sich. Der Pistenbau oberhalb der Baumgrenze ist sehr problematisch, denn in Höhen ab 2.400 Meter wachsen die Pflanzen sehr langsam und es kann sogar Jahrhunderte dauern, bis sich wieder ein intakter alpiner Rasen bildet. Auf den Pisten kommt es zu starken Wind- und Wassererosionen bis hin zu Hangrutschungen. Die Unruhe im Winter und die Bautätigkeit im Sommer vertreibt das Wild aus der Fläche.

Fremdenverkehr brachte den Wohlstand in die Region der Alpen! Er ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor und die Bewohner verbitten sich Einmischung von außen. Viele Bewohner der Alpenregion leben ausschließlich vom Tourismus. Da diese Gebiete wenig Industrie haben, wirkt diese Entwicklung der Arbeitslosigkeit entgegen und Geld fließt in die Region. Ein weiterer Vorteil ist der Verkauf eigener Erzeugnisse.

Heute besuchen rund 150 Millionen Gäste die Alpen pro Jahr, und es werden jährlich mehr. Die Alpen sind das am stärksten erschlossene Hochgebirge der Welt. Im Laufe der Zeit hat sich das Urlaubsverhalten geändert: Die Urlaube sind kürzer, aber dafür häufiger. Etwa 84 Prozent nimmt das Auto in die Alpen, in den Alpen ist 50 Prozent des Verkehrs Freizeitverkehr, 40 Prozent inneralpiner Verkehr und 10 Prozent Transitverkehr.

Im Sommertourismus gibt es neue Sportarten: Klettersteige, Mountainbiken, Canyoning, Gleitschirmfliegen, Sommerrodelbahnen und Golfplätze. Es gibt auch immer mehr künstliche Erlebniswelten - sogenannte Funparks. Die Natur reicht nicht mehr aus, die Alpen sind reine Kulisse für Erlebniswelten. Die Hauptzielgruppe sind Kinder und Jugendliche.

Viele Millionen Touristen und Tagesausflügler besuchen jährlich die bayerischen Alpen. Doch nicht alle Aktivitäten sind für den sensiblen Naturraum gleich gut geeignet, beginnend bei der Anreise. Der Tourismus ist einerseits wichtige Einnahmequelle und lebt von intakter Natur, andererseits gefährden Bauprojekte und andere Eingriffe oder Störungen das Ökosystem Alpen. Im 19. Jahrhundert entdeckte man die heilende Wirkung des Hochgebirgsklimas auf Lungenleiden.



Welche Auswirkungen hat die Klimakrise auf die Alpen?

In den Alpen sind die ökonomischen, ökologischen und auch sozialen Auswirkungen der Klimakrise bereits sicht- und spürbar.

Jahresmittel der Lufttemperatur im Flächenmittel in Deutschland ist statistisch gesichert um 1,2 Grad gestiegen von 1881 bis 2010 (UBA 2014). In den Alpen ist diese Klimaerwärmung annähernd doppelt so stark ausgefallen.

Bis zum Ende des Jahrhunderts rechnen die Metrologen mit einen Niederschlagsrückgang in den Alpen von rd. 30 Prozent in den Sommermonaten und die Mächtigkeit der Schneedecken könnten bis zu 70 Prozent abnehmen!

Auswirkungen in den Alpen:

  • Häufung von Extremwetterlagen mit Stürmen und Starkniederschlägen
  • Wärmere und trockenere Sommer
  • Deutlich weniger Schnee im Winter und deutlich mehr Regen
  • Sintflutartige Regenfälle, Muren, Schlammlawinen und Hochwasserkatastrophen
  • Pflanzenwelt: die Vegetationshöhenstufen in der Bergen werden in die Höhe steigen, alpine und nivale Vegetationsstufen werden sich dramatisch verkleinern
  • Tierwelt: Ebenso wird es bei der Tierwelt sein. Tierarten in der Höhe werden verdrängt von Tieren, die in niedrigeren Vegetationsstufen leben.


Wie wirkt sich der Transitverkehr in den Alpen auf Mensch und Natur aus?

Die Alpen sind für den Verkehr zwischen Mittel- und Südeuropa ein Hindernis. Fahrzeuge können die Berge nur auf bestimmten Routen über Pässe oder durch Tunnel passieren. Insgesamt gibt es fast 100 Alpentunnel, darunter ist der Grenztunnel im bayerischen Füssen der einzige in Deutschland. Zudem gibt es fast 200 Pässe über die Alpen. Für den Güterverkehr sind die Alpentunnel besonders wichtig.

Zahlreiche europäische Hauptverkehrsachsen queren die Alpen. Nicht weniger als 10,4 Millionen LKW waren dort beispielsweise im Jahr 2016 unterwegs. Das ist ein satter Anstieg um 66 Prozent im Vergleich zu 2007. Autoverkehr bedeutet Stau, Lärm, Abgase, Feinstaub, Unfälle und Flächenverbrauch. Früher dachte man, mit neuen Straßen wird es besser. Aber: Neue Straßen ziehen neuen Verkehr nach sich. Sie zerschneiden Lebensraum von Tieren und verringern die Lebensqualität der Menschen: Täler haben oft verstärkte Schallreflexion und geringeren Luftaustausch bei Inversionswetterlagen.

In Deutschland sind 2022 48,5 Millionen PKW zugelassen, das entspricht einer Fahrzeugdichte von 717 PKW je 1000 Einwohnern.

Der Verkehr ist einer der wichtigsten Verursacher der Klimakrise. In den Alpenländern beträgt der Anteil des Verkehrs an den klimaschädlichen Emissionen 25 bis 27 Prozent.

Der Güterverkehr auf der Schiene steigt nur mäßig. LKW-Verkehr hat auch wegen der just in time-Produktion zugenommen. Die benötigten Teile werden nicht gelagert, sondern dann geliefert wenn sie gebraucht werden. Ein Erdbeerjoghurt im Supermarkt kommt mit allen Zuliefererbestandteilen auf über 9.000 Kilometer Transportstrecke. Schweinehälften werden von Holland und Dänemark nach Südtirol geliefert und kommen dann als Südtiroler Speck wieder in diese Länder zurück. Wir möchten unabhängig von der Saison Obst und Gemüse das ganze Jahr kaufen können, beispielsweise Erdbeeren zu Weihnachten.

Es gibt unterschiedliche Ideen gegen die Blechlawine: reduzierte Geschwindigkeit, Nacht- und Wochenendfahrverbote, Kontingente für die Alpenübergänge, Erhöhung der Mineralölsteuer und Verhinderung des Tanktourismus.



Alpen und Druck - Gibt es eine Verbindung, die allen Punkten innewohnt?

Es ist ausschließlich der Mensch, der das alles miteinander verknüpft:

  • der Mensch, der in den Alpen wohnt und arbeitet
  • der Mensch, der in den Alpen Ferien verbringt und dort Wintersport oder Sommersport in den Bergen erleben möchte
  • der Mensch, der Güter, Tiere und Menschen durch die Alpen transportiert
  • der Mensch, der wirtschaftet und investiert und dabei nicht auf Nachhaltigkeit achtet und ökologische Zusammenhänge nicht kennt
  • der Mensch, der weit Weg von den Alpen wohnt und durch seinen Lebensstil und seinen Ressourcenverbrauch im ökologischen Kreislauf z.B. zur Klimakrise einen übermäßigen Beitrag leistet
Also wir Alle!



Was können wir alle tun?

Wir haben hier einige Tipps, und die Liste ist unendlich lang, mit deren Hilfe wir unsere Umweltauswirkungen reduzieren werden. Es ist nicht so, dass wir nur ein kleines unbedeutendes Rädchen sind, wenn wir 2, 4, 8 oder mehr sind die dies beherzigen, dann wird darauf geachtet und ein Trend entwickelt sich. Ein Trend etabliert sich und wird fest verankert.

Hier also einige Beispiele in der unendlichen Liste:

  • Wir sollten landwirtschaftliche Produkte aus der Region kaufen, um lange Transportwege zu reduzieren. Lokale Bauern unterstützen. Und am besten: Gemüse und Obst selber anbauen.
  • Lasst uns darauf achten, dass wir weniger Müll produzieren. Dass wir Unverpackt Stationen oder besser Unverpackt Läden nutzen, um bei Grundnahrungsmitteln und auch weitergehend Umverpackungen zu reduzieren.
  • Lasst uns wiederverwendbare Thermobecher verwenden anstatt Einwegbecher. Warum nicht 2 oder 3 Thermobecher nutzen, bei der Arbeit, im Fortbewegungsmittel Deiner Wahl, eine Reserve zu Hause. Dann ist stets einer griffbereit und kein Einwegbecher notwendig.
  • Lasst uns immer wieder verwendbare Stofftaschen und Einkaufstaschen nutzen. Nicht zu wenige dabei haben. Lieber grundsätzlich 1-2 zu viel, um nicht doch in die Verlegenheit zu kommen, eine Plastiktüte zu kaufen.
  • Upcyceln ist auch eine Möglichkeit ...
    • Schwimmlicht aus Korken und Konserven ...
    • Einkaufsbeutel aus T-Shirts ...
    • Tüten aus Zeitungspapier ...
    • Geschenktüte aus alten Prospekten ...
    • Gläser aus Flaschen.
  • Wir können mehr Leitungswasser trinken
  • Wir sollten weniger und bewusster Fleisch essen
  • Wir können auf Ökosiegel achten, diese geben zumindest eine gewisse Sicherheit. Transparenz schaffen sie nicht.
  • Wir könnten auf schnelllebige Fashion mehrmals im Jahr verzichten und sogar nachhaltige Modetrends nutzen, oder sogar setzen.
  • Ach ja. Wir sollten damit starten.

 
 


Alexander Huber
Zeit zum Atmen
15. März


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